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Themen

Modische Damen-Accessoires der späten 1930er Jahre: Schuhe, Handtasche und Halstuch, alles in blau
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Die Ausstellung zeigt anhand von mehr als 100 Originalkostümen und über 350 weiteren Exponaten aus der umfangreichen Textilsammlung des LVR-Industriemuseums und Leihgaben aus anderen Museen und Privatbesitz ein breites Spektrum der Kleidung und Mode der 1930er und 1940er Jahre. Auf über 400 qm präsentiert "Glanz und Grauen" seidene Abendroben und raffiniert garnierte Kleider für den Nachmittag ebenso wie einfache Alltags- und Berufsgarderobe, Kleider aus Ersatzstoffen und solche der Notkultur.

Mode und Bekleidung im Alltag

Buntes Tageskleid aus Ausbrennersamt der späten 1920er Jahre
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Tageskleid aus Ausbrennersamt, späte 1920er Jahre

Wie sah die Alltagsmode aus? Was wurde in Deutschland unter dem nationalsozialistischen Regime getragen - bei der Arbeit im Haushalt, im Büro oder in der Fabrik? Wie zeigte man sich in der Öffentlichkeit, in der Freizeit, beim Ausflug mit der NS-Organisation "Kraft durch Freude"? Zu Beginn des Rundgangs werden real getragene Kleidung der Zeit, moderne Kostüme für die berufstätige Frau, elegante Nachmittagskleider, schlichte Waschkleider und Schürzen für den harten Arbeitsalltag, Mäntel und Accessoires für die Straße präsentiert.

Zwei Alltags- bzw. Straßenkleider für Damen mit Mänteln
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Alltags- bzw. Straßenkleidung, um 1940

Immer wieder wird deutlich, dass Kleidung keine Privatsache war. Dabei interessierten sich die Nationalsozialisten weniger für die reine Modefrage als vielmehr für die Konsumgewohnheiten der "Volksgenossen". Jedes Kleidungsstück sollte möglichst lange getragen werden. Der Appell der braunen Machthaber zur Sparsamkeit hatte ökonomische Gründe. Denn gerade die Herstellung von ziviler Kleidung war erheblich gedrosselt worden, damit der Aufrüstung und damit der Uniformproduktion immer mehr Rohstoffe zugeteilt werden konnten.

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HJ-Uniform und "Judenstern"

Historisches Schwarz-Weiß-Foto einer Jugendgruppe, zum Teil in Uniformen der Hitlerjugend
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Jugendgruppe, zum Teil in Uniformen der Hitlerjugend

Kleidung stand aber auch im Dienst nationalsozialistischer Ideologie und wurde instrumentalisiert, um "Volksgemeinschaft" nach außen sichtbar zu machen. Die in der Ausstellung gezeigten Uniformen der Jugendorganisationen - Hitlerjugend (HJ) und Bund Deutscher Mädel (BDM) - waren wichtigstes Mittel um Zugehörigkeit und Gemeinschaft zu demonstrieren. Mit dem 1941 im Deutschen Reich eingeführten "Judenstern" musste die größte Gruppe der aus der Volksgemeinschaft Ausgegrenzten ihre Kleidung kennzeichnen. Der staatlich organisierten Jugend stehen Jugendliche gegenüber, die sich dem Regime verweigerten. Ein eigener Kleidungsstil - Lederhose, kariertes Hemd, weiße Kniestrümpfe - war auch für sie gemeinschaftsbildend und Erkennungszeichen unter Gleichgesinnten.

Mode im internationalen Stil

Langes, rotes Abendkleid mit heller Jacke an einer Figurine
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Abendkleid mit Lameemantel, frühe 1930er Jahre

Hauchzarte Chiffonkleider mit weich fließender Linie, die sich schmal um die Hüfte legt, Kleider im Schrägschnitt aus Ausbrennersamt… In der Ausstellung wird ein Querschnitt von eleganten Kleidern präsentiert, die einen Überblick über die Modeentwicklung von den späten 1920ern bis in die ersten Nachkriegsjahre geben.

Titelbild einer Modezeitschrift von 1941, zeigt Zeichnung einer Dame
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Titelbild einer Modezeitschrift, März 1941

Die einfache Form des "Hängerkleides" löst sich gegen Ende der 1920er Jahre auf, Saum- und Taillenlinie verlaufen nicht mehr gerade, eingesetzte Stoffteile verlängern die Silhouette. Die wichtigsten Elemente der Kleidung der frühen 1930er Jahre waren die fließende Form und der Schrägschnitt, mit einem schlanken, natürlichen Körperideal. Insgesamt entsprach dies der modernen Stromlinienform. Nach einer kurzen romantischen Phase mit weiten, schwingenden Röcken, inspiriert von Filmen wie "Vom Winde verweht" von 1939, prägte der Krieg die Mode. Stoffknappheit ließ die Rocksäume kürzer werden und der Einfluss der Uniformen zeigte sich in der formalen Strenge von Schnitt, Material und Einfarbigkeit.

Modeentwurf von Ilse Naumann: Zeichnung einer Frau in blauem Kleid
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Modeentwurf von Ilse Naumann, Berlin

Einen vertiefenden Blick in das Modeschaffen der Zeit vermitteln Zeichnungen der Berliner Modezeichnerin und Kostümbildnerin Ilse Naumann, die in den 1930er und 40er Jahren an vielen bekannten Film- und Theaterproduktionen mitgewirkt hat. Charakteristisch für ihre Kostümentwürfe ist ihr großes Repertoire an Farben, Formen und Stilen, mal klassisch, mal futuristisch, mal pompös, mal puristisch. Für ihre Entwurfszeichnungen verwendete sie neben Pappe auch Transparent- und Seidenpapiere, skizzierte die Silhouetten mit Bleistift und malte sie mit Wasserfarben aus.

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Kino, Modezeitschriften und ein exklusiver Lebensstil

Winterkleidung für Mann und Frau: Eleganter Wintermantel mit Pelzbesatz aus Marder für die Dame und Wintermantel und Hut für den Herrn
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Eleganter Wintermantel mit Pelzbesatz aus Marder, frühe 1930er Jahre

Welche modischen Vorbilder gab es? Neben Modezeitschriften spielten Filmstars, zumal die weiblichen, eine wichtige Rolle. Auf der Leinwand, dem Zeitschriftencover oder dem Filmball lebten sie einen Ersatzluxus vor, der das Versprechen auf Konsum auch in der Mangelwirtschaft wach hielt. Einen unbegrenzten Konsum und eine luxuriöse Garderobe konnte sich nur die wohlhabende Gesellschaft leisten, zu der auch die Parteigrößen und ihre Ehefrauen gehörten. Die ausgestellten Abendkleider und Accessoires geben einen Eindruck von dem exklusiven Lebensstil der Oberschicht.

Preisbindung und Kleiderkarte - Einschränkungen für Verbraucher und Händler

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Herrenhosen aus den frühen 1940er Jahren aus Ersatzstoffen

Welche Konsummöglichkeiten dem größten Teil der Bevölkerung offen standen, zeichnen die folgenden Ausstellungseinheiten nach. Nach dem Aufschwung ab 1933 konnten sich viele endlich wieder Stoffe und Konfektionswaren leisten, nur vorübergehend eine ungetrübte Freude. Denn mit den staatlichen Eingriffen in die Produktion ab 1936 verschlechterte sich die Qualität der Angebote. Für den Händler bedeutete dies, er musste Konfektionsware und Stoffe anbieten, bei deren Verarbeitung überall gespart worden war. Die Exponate, Stoffe aus halb- und vollsynthetischen Materialen gemischt mit Baumwolle und Wolle sowie Kleidungsstücke bei denen am Futter, an den Nähten oder Knöpfen gespart wurde, zeigen die Veränderungen bei der Textilproduktion und Kleidungsverhalten. Kleider aus zweierlei Stoffen zeigen, wie mit dem Mangel umgegangen wurde. Preisbindung und Reichskleiderkarte steuerten und rationierten mit Kriegsbeginn 1939 den Konsum.

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Entnazifizierung

Schuhe und verschiedene andere Kleidungsstücke, die aus besetzten Ländern von den Soldaten mitgebracht wurden
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Nachweislich Raubgut: aus den besetzten Ländern nach Deutschland mitgebrachte Waren, 1940-1945

Wie tief die Nationalsozialisten einen so alltäglichen Lebensbereich wie Bekleidung in ihre Herrschaft von Gewalt und Vernichtung einbezogen, wird zum Schluss der Ausstellung deutlich. Neben der Enteignung jüdischer Textilbetriebe war auch die Ausraubung der besetzten Gebiete Bestandteil ihrer Wirtschaftspolitik. In Millionen von Feldpostpäckchen schickten die Soldaten neben Nahrungsmitteln auch Unmengen an Bekleidung in die Heimat. In der Sammlung des LVR-Industriemuseums sind einige solche Kleidungsstücke erhalten und werden in der Ausstellung präsentiert. Auch die Kleidung der Deportierten und Ermordeten wurde von den Nationalsozialisten nutzbar gemacht und füllte die Kleiderkammern der NS-Volkswohlfahrt.

Vertiefende Infos sowie großformatige Abbildungen mit spannenden Erläuterungen finden Sie in der Begleitbroschüre, die zur Ausstellung erschienen ist:

Glanz und Grauen. Mode im "Dritten Reich"
ISBN 978-3-9813700-0-3

Sie ist im Museumsshop zum Preis von 9,95 € erhältlich.